02.04.2019

Dienstag, 2. April 2019, 19.30 Uhr
im Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg

Vortrag im Rahmen der Reihe „Vom Reiz der Sinne“
Themenschwerpunkt: Künstliche Intelligenz

mit Prof. Dr. Christoph von der Malsburg:

Geist im Computer?
Von künstlicher Intelligenz zu autonomen Organismen

Gegenwärtig ist die sog. künstliche Intelligenz (KI) nur ein Schatten vorausgegangener menschlicher Gedanken – entweder in der Form von Programmen oder der von Massen von Beispiellösungen. Im Unterschied dazu haben Tiere und Menschen aufgrund von abstrakt formulierten Verhaltensmustern und Antrieben (Vermeiden von Gefahren, Finden von Nahrung, sozialer Umgang usw.) die Fähigkeit, mit konkreten Situationen umzugehen. Diese Fähigkeit des Gehirns, sensorische Eingänge mit abstrakten Verhaltensschemata in Verbindung zu bringen, gibt dem Leben Sinn, Inhalt und Orientierung.

Der gegenwärtigen KI fehlt das Vermögen, den enormen Höhenunterschied zwischen dem konkreten Detail der Umgebung und der Abstraktheit allgemeiner Verhaltensantriebe zu überbrücken. Autonome Intelligenz kann aber nur mit Hilfe dieser Fähigkeit entstehen. Sobald dieses Problem gelöst ist und menschengemachte autonome Organismen in Reichweite sind, wird die Menschheit die enorme Aufgabe lösen müssen, ihnen eine Antriebsstruktur zu geben, mit der sie und wir zusammen leben können. Diese Aufgabe kann nicht von Technikern gelöst werden, sondern braucht eine breite Diskussion. Diese sollten wir ab sofort führen.

Christoph von der Malsburg ist gegenwärtig Professor und Senior Fellow am Frankfurt Institute for Advanced Studies. Er promovierte 1970 in Physik an der Universität Heidelberg, arbeitete 17 Jahre in der Sektion Neurobiologie des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen, war Professor für Informatik (und Neurowissenschaft, Physik und Psychologie) an der University of Southern California in Los Angeles (1988–2007), war Mitbegründer des Instituts für Neuroinformatik und Professor für System-Biophysik an der Ruhr-Universität Bochum (1990–2006). Er ist weltweit anerkannt als Pionier im Bereich der Modellierung der Selbstorganisation im visuellen System (IEEE Pioneer Award, Beckurts Foundation Award, Koerber Award, Hebb Award, Fellow of the International Neural Network Society) und ist der Schöpfer der Dynamic Link Architecture der Hirnfunktion. Er war Mitbegründer zweier Firmen und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des europäischen Human-Brain-Projekts.

In Kooperation mit den Nürnberger Nachrichten.

 

Preis: 7,50 € (erm.: 5 €)
[Kursnr. 00924: Anmeldung über BZ]

Vortragsfolien zum Herunterladen: [pdf: 239 KB].

Foto: Jürgen Lecher

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