PD Dr. Sabine Müller

Samstag, 14. April 2018, 15.15-16.00 Uhr
im Aufseß-Saal, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg

PD Dr. Sabine Müller

Neurochirurgie gegen Alzheimer?
Experimente mit Tiefer Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation ist eine inzwischen etablierte Methode zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und anderer schwerer Bewegungsstörungen. Seit fast 20 Jahren wird Tiefe Hirnstimulation auch zur Behandlung nahezu jeder Art von schweren psychiatrischen Erkrankungen erprobt. Das Spektrum umfasst Zwangsstörungen, Depressionen, Angststörungen, Alkoholsucht, Opiatsucht, Adipositas, Anorexia nervosa, Schizophrenie u.a. Seit einigen Jahren experimentieren zwei konkurrierende Forschergruppen in Deutschland und Kanada auch mit Demenz-Patienten. Erfolge sind bisher ausgeblieben, Komplikationen dagegen nicht. Diese risikoreichen Experimente sind wissenschaftlich und ethisch besonders problematisch. Denn einerseits sind Demenzpatienten aufgrund ihrer hoffnungslosen Situation besonders anfällig für technologische Heilsversprechen. Andererseits können sie aufgrund ihrer Krankheit kaum die Risiken und Chancen angemessen abwägen.

Der Vortrag basiert auf Ergebnissen, die Merlin Bittlinger und ich in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt zu ethischen, rechtlichen und sozialen Problemen der psychiatrischen Neurochirurgie erarbeitet haben.

PD Dr. Sabine Müller ist Physikerin und Philosophin. Sie leitet die Arbeitsgruppe „Neurophilosophie, Neuroethik und Medizinethik“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ein Forschungsschwerpunkt ihrer neuroethischen Arbeit sind Persönlichkeitsveränderungen durch Gehirneingriffe.

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