
Symposium 2026 | 10 Jahre KI – Was werden die nächsten 10 Jahre bringen?
02.10.2026, 19:15 - 21:00
10 Jahre KI
Was werden die nächsten 10 Jahre bringen?
Vortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer
KI begann am 7. März 2016 in der wirklichen Welt mit dem Gewinn einer Maschine über den weltbesten Spieler, den Südkoreaner Lee Sedol, im Brettspiel Go. Die Maschine gewann nicht einfach nur, sondern legte eine menschenähnliche Begabung an den Tag. »AlphaGo hat tatsächlich eine Intuition«, sagte ein Experte (Google-Mitbegründer Sergey Brinin) damals, kurz nachdem AlphaGo mit 3:0 in Führung gegangen war. »Die Maschine macht wunderschöne Züge, schafft sogar noch schönere Züge, als die meisten von uns sich vorstellen könnten.« 18 Monate Später gewann eine neue Maschine (AlphGo zero), die nicht mit von Menschen gespielten Partien trainiert worden war, sondern nur gegen sich selbst gespielt und dadurch gelernt hatte, gegen AlphaGo 100 Mal in 100 Spielen: Maschinen konnten sich übermenschliche Fähigkeiten also selbst beibringen.
Seit 2024 bringt der Deutschlandfunkt einen wöchentlichen Podcast zum Thema Künstliche Intelligenz. Auch ein nur sporadischer Blick auf die Themen verdeutlicht, dass KI vor keinem Thema halt macht: Handwerk und Gastronomie, Kunst und Musik, Partnervermittlung, demokratische Wahlen, Landwirtschaft, Pharmaforschung, Filmproduktion, Finanzwesen, Fußball, Notfall- oder Krebsmedizin, Verwaltung und Bürokratieabbau, Wissenschaft und Forschung, Einkaufen, Werbung und Kundenservice, Klimakrise und Konfliktbekämpfung, Sex und Erotik, Journalismus und Literatur, Museums- und Erinnerungskultur, Kirche und Religion und sogar Trauer, Tod, Psychotherapie, Meditation und Achtsamkeit. KI ist überall angekommen. Leider auch im Irankrieg, wo KI tausende von Angriffszielen selbsttätig aussucht, weil Menschen dies nicht mit der Geschwindigkeit können – und leider auch eine Mädchenschule für ein Versteck des Gegners hielt, was 187 Mädchen das Leben kostete.
In naher Zukunft könnte sogar die menschliche Intelligenz als ehemals knappe Ressource durch künstliche Intelligenz ersetzt und so zum billigen, jederzeit verfügbaren Treibstoff einer neuen Ökonomie werden. Dies könnte eine Abwärtsspirale ohne Bremsen in Gang setzen, wie kürzlich publiziert wurde: Firmen entlassen Arbeiter, weil die Tätigkeiten von KI übernommen werden, was zu immer mehr Arbeitslosen und Geringerverdienern führt, die wiederum immer weniger konsumieren, was die Gewinnmargen der Firmen drückt, weswegen sie noch mehr KI-Automation implementieren müssen, um das zu kompensieren. Es entsteht ein Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und Rezession. Die Komponente Mensch mitsamt seiner Trägheit wird aus ökonomischen Zusammenhängen weitgehend gestrichen: Der Stammkunde wird ersetzt durch das beste Angebot, das ein KI-Agent aus zahlreichen Angeboten quer über alle Plattformen herausfiltert, Verkäufer werden nicht mehr gebraucht, weil KI die nötigen Informationen liefern kann usw. All das verstärkt sich gegenseitig, und man hat bisher noch keine Antwort auf diese möglichen Verwerfungen, weil man nichts Vergleichbares heranziehen kann. Eine Technik, die den Menschen geistig überflügeln bzw. in Teilen überflüssig machen kann, gab es bisher noch nicht. Wie wir mit ihr umgehen, wird unser weiteres Schicksal ganz wesentlich bestimmen.
