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UNESCO-Welttag der Philosophie

Himmlische Ideen und irrende Sterne
Platons Einfluss auf die Astronomiegeschichte

Vortrag von Dr. Tobias Jung

Die entscheidende Wendung in der Astronomiegeschichte auf dem Weg zum heute gemeinhin akzeptierten astronomischen Weltbild ist zweifellos mit den Namen Nicolaus Copernicus (1473–1543), Johannes Kepler (1571–1630), Galileo Galilei (1564–1642) und Isaac Newton (1643–1727) verknüpft. Bei allen vier dieser großen Naturwissenschaftler und Astronomen finden sich jedoch deutliche Einflüsse des Denkens des antiken Philosophen Platon (428/427 v. Chr.–348/347 v. Chr.). Copernicus machte in bewusstem Rückgriff auf antikes Gedankengut das Platonische Axiom zum Ausgangspunkt seines heliozentrischen Weltbildes. Kepler versuchte die Struktur des Planetensystems durch eine Ineinanderschachtelung der Platonischen Körper darzustellen und gelangte dadurch im Wesentlichen zu der Fragestellung, auf die er später mit seinen drei Gesetzen der Planetenbewegung eine Antwort gab. Galilei und Newton, die beide als Mitbegründer der Physik als Experimentalwissenschaft gelten, nahmen hinsichtlich der von ihnen verfolgten Mathematisierung – vielleicht ohne es selbst zu ahnen – Anleihen bei Platon, der doch vielfach als realitätsferner »Idealist« galt und immer noch gilt. Auf einer noch grundlegenderen Ebene lässt sich der Einfluss Platons auf die gesamte Naturwissenschaft erkennen, die letztlich auf einer Unterscheidung beruht, die Platon in seinem kosmologischen Spätdialog »Timaios« trifft, nämlich der Unterscheidung zwischen Sein und Zeit. Im Vortrag werden die geistesgeschichtlichen Bezüge zwischen Platons Philosophie und der neuzeitlichen Physik genauer zur Sprache gebracht.

Bildquelle: Wikimedia Commons/LA County Museum of Art (Künstler: Jusepe de Ribera)