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An den Grenzen des Alltags­wissens
Wie Wissen­schaft unser Lernen aus Erfahrung verbessert

Vortrag von Prof. Dr. Andreas Bartels

Auf die Frage, wodurch unser Wissenschaftsvertrauen gerechtfertigt wird, hat die Philosophie zwei verschiedene Antworten hervorgebracht: eine rationalistische und eine empiristische. Rationalisten wie Immanuel Kant waren der Meinung, dass jede (erfolgreiche) empirische Wissenschaft ein Fundament im reinen Denken besitzt. Empiristen wie Francis Bacon glaubten dagegen an eine besondere wissenschaftliche (induktive) Methode des Schließens aus der Erfahrung. Heute setzen wir stattdessen auf eine Vielfalt von Hypothesen und Methoden, auf Lernoffenheit und ständiges Infragestellen von Ergebnissen. Unabhängig vom grundsätzlichen Wissenschaftsvertrauen stellt sich aber häufig die Frage nach der Akzeptanz für einzelne wissenschaftliche Studien und deren Ergebnisse. Anhand einer virologischen Studie über die Infektiosität von Kindern aus der Zeit der Corona-Epidemie wird aufgezeigt, dass der epistemische »Mehrwert« (erfolgreicher) wissenschaftlicher Arbeit darin besteht, unser Lernen aus Erfahrung zu verbessern, indem kausale Einflüsse auf die Daten aufgedeckt werden, die unser alltägliches Schließen verfälschen.