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Symposium 2019

Weniger ist schwer
Warum uns das Neue glücklich, aber unzufrieden macht

Vortrag von Dr. Philipp Hübl

Unsere Vorfahren waren im Dilemma der Allesfresser. Sie mussten bei Nahrungsknappheit Neues ausprobieren, also neophil sein, denn sonst wären sie verhungert. Gleichzeitig mussten sie dem Neuen vorsichtig begegnen, also neophob sein, denn vieles davon war giftig oder ansteckend. Dieser Widerstreit lebt heute noch in uns fort. Konservative sind eher neophob: Sie bleiben beim Bekannten. Progressive sind eher neophil: Sie sind offen für das Neue.

Mit der Globalisierung ist das Zeitalter der Neophilie angebrochen ist. Die Konsumindustrie hat darauf reagiert und so einen Zwang zur Vielfalt erzeugt. Im Jahr 1965 hatte ein durchschnittlicher deutscher Supermarkt 3.200 Produkte, heute bieten die größten etwa 40.000 Artikel an. Die Forschung zeigt, dass uns nicht nur zu wenige Optionen unzufrieden machen, sondern auch zu viele, wenn wir buchstäblich die Qual der Wahl haben. Zwar haben gesellschaftliche Freiheiten wie die Rede- oder Reisefreiheit keinen abnehmenden Grenznutzen, denn mit jeder neuen Freiheit gewinnen wir individuelle Vorteile hinzu. Extreme Wahlfreiheit jedoch macht uns allenfalls kurzfristig glücklich, langfristig aber unzufrieden, sei es beim Konsum oder bei der Wahl unserer Urlaubsziele, Berufe oder Lebenspartner.

Bildquelle: Wikimedia Commons/Lyzadanger